Palästinensisches Flüchtlingsproblem

Das palästinensische Flüchtlingsproblem ist ein Teilaspekt des Nahostkonflikts im Zusammenhang mit den geflohenen und vertriebenen arabischen Palästina-Flüchtlingen ("Palestine refugees") und ihren Nachkommen in väterlicher Linie. Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) spricht von derzeit etwa 5 Millionen registrierten arabischen Palästina-Flüchtlingen. Nach Schätzung der Vereinten Nationen wurden durch den Palästinakrieg im Zeitraum vom 1. Juni 1946 bis zum 15. Mai 1948 ursprünglich ca. 750.000 Menschen aus Palästina − darunter Juden und Araber − durch Flucht und Vertreibung zu Flüchtlingen. Die Palästina-Flüchtlinge und ihre Nachkommen leben heute in Israel, Gazastreifen, Westjordanland, Jordanien, Libanon und anderen arabischen Staaten. Im Sechstagekrieg von 1967 wurden weitere ca. 300.000 Menschen in der Region Palästina zu Flüchtlingen. Die Vertreibung der Palästinenser aus Kuwait 1991 zwang erneut knapp eine halbe Million Menschen auf die Flucht. Zudem kam die Unterstützung der Golfstaaten für die PLO zum Erliegen. Auch Muammar al-Gaddafi wies in den 1990er Jahren mehrere zehntausend palästinensische Gastarbeiter aus Libyen aus. Heute werden vom Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) nur noch arabische Palästina-Flüchtlinge unterstützt, weil alle jüdischen ehemaligen Palästina-Flüchtlinge in anderen Ländern, vor allem Israel, als Staatsbürger integriert sind. Ein Drittel der heute noch registrierten arabischen Palästina-Flüchtlinge, etwa 1,5 Millionen Menschen, leben in 58 anerkannten "Palästina-Flüchtlingslagern" (Palestine refugee camps) in Jordanien, Libanon, Syrien, Gazastreifen, Westjordanland. Palästina-Flüchtlingslager sind definiert als ein Stück Land, das der UNRWA durch das Gastland zur Verfügung gestellt wird, um Palästina-Flüchtlinge zu unterstützen. Arabische Palästina-Flüchtlinge und ihre Nachkommen nennen sich heute Palästinenser. In arabischen Ländern besitzen sie als Staatenlose meist keine staatsbürgerlichen Rechte und werden als Minderheit teilweise systematisch diskriminiert. Die restlichen zwei Drittel aller registrierten arabischen Palästina-Flüchtlinge, ca. 3,5 Millionen Menschen, leben in Ortschaften und im städtischen Raum der arabischen Gastländer und auch in der Nähe der offiziellen Palästina-Flüchtlingslager. Von den feindlichen arabischen Staaten werden die arabischen Palästinenser im Nahostkonflikt als Druckmittel gegen Israel eingesetzt. Israel verweist in diesem Zusammenhang auf die jüdischen Palästina-Flüchtlinge und auf die Vertreibung von Juden aus arabischen und islamischen Ländern von rund 850.000 Menschen seit 1948, die zu einem Großteil in die israelische Gesellschaft eingegliedert wurden und nicht mehr in Flüchtlingslagern leben müssen. Israel hat stets darauf hingewiesen, dass die Empfehlung der unverbindlichen Resolution 194 der UN-Generalversammlung lediglich feststellt, den Palästina-Flüchtlingen „sollte erlaubt werden“, zum „frühest möglichen Termin“ in ihre Heimat zurückzukehren, und dass diese Empfehlung sich nur auf jene bezieht, die „es wünschen, (...) im Frieden mit ihren Nachbarn zusammen zu leben“. Aufgrund des Nahostkonflikts sieht es die demographische Identität des Staates Israel als jüdischer Staat in Frage gestellt. Arabische Israelis stellen heute knapp ein Fünftel (ca. 20 %) der Bevölkerung in Israel und besitzen volle gesetzlich garantierte staatsbürgerliche Rechte, leisten Militärdienst nur auf eigenen Wunsch und unterhalten eigene Schulen und kulturelle Einrichtungen, teilweise auch eine eigene Zivilgerichtsbarkeit. Dagegen stellen Juden weniger als 10 % der Bevölkerung im Westjordanland (bilden allerdings mit ca. 75 % die Mehrheit in den C-Gebieten) und 0 % im Gazastreifen. Das palästinensische Flüchtlingsproblem innerhalb der arabischen Welt und die mangelnde Anerkennung und Aufnahme der Palästinenser in den arabischen Ländern findet kaum mediale Resonanz und wird auch weniger politisch thematisiert als die Situation im Zusammenhang mit Israel. Flucht beziehungsweise Vertreibung der Palästinenser im Zusammenhang mit dem UN-Teilungsbeschluss und dem anschließenden arabisch-israelischen Krieg gehört bis heute zu dem umstrittensten Kapitel in der Geschichte des Nahen Ostens. Von arabischer Seite wird diese als geplante Vertreibungsaktion aufgefasst, so z. B. Sami Hadawi: In Wahrheit fasste die zionistische Bewegung ihre Politik zusammen in dem Ziel, die palästinensischen Araber aus ihrer Heimat und ihrem Land zu vertreiben (und damit Platz zu schaffen für die geplante Masseneinwanderung). Auf israelischer Seite hingegen war lange Zeit die Meinung vorherrschend, dass die Flucht freiwillig war und dass sie aufgrund von Aufrufen arabischer Nachbarstaaten, die Bevölkerung zu verlegen, erfolgt sei: Die Flüchtlinge waren überzeugt, dass ihre Abwesenheit von Palästina nicht von Dauer sein würde und dass sie in wenigen Tagen, innerhalb von ein oder zwei Wochen zurückkehren könnten. Ihre Anführer versprachen ihnen, dass die arabischen Armeen die zionistischen Banden sehr schnell zerschlagen würden und dass es keinen Grund zur Panik gebe oder zur Furcht vor einem langen Exil. Angestoßen durch die so genannten „Neuen israelischen Historiker“ kam es in der israelischen Gesellschaft zu einer breiten Debatte über diese Versionen. In Bezug auf die genaue Zahl der Palästina-Flüchtlinge differieren die verschiedenen Quellen stark. Während die offizielle israelische Zahl bei 520.000 bis 530.000 Palästina-Flüchtlingen liegt, sprechen arabische Quellen von 900.000.

Wörter

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WortHäufigkeitAnzahl der ArtikelRelevanz
palästina-flüchtlinge1260.215
arabischen1336220.116
palästina-flüchtlingen410.082

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